Mit ihrem neunen Magazin „The Fernweh Collective“ mischen Elisavete und Serena alias Belka und Strelka den Markt für Reisemagazine gehörig auf.
Für Sie ist ihr Projekt mehr als nur ein Magazin. Es ist ein Kollektiv aus Abenteurern, eine Bewegung, eine andere Art zu reisen und sich über Reisen zu informieren.
Mehr über das Magazin, Fernweh im Allgemeinen und wie es mit dem Magazin weitergeht verraten die beiden im Interview!

Beschreibt euer Magazin in 3 Wörtern.

Abenteuer. Mut. Lebensdurst.

Ok, worum geht es wirklich?

Belka: Es geht um Menschen und Abenteuer. Echte Abenteuer. Um das Teilen von Erfahrungen und das Aufzeigen von Grenzen im Kopf.
Die Reisegeschichten der Autoren und Fotografen sind ungefiltert – voller Pannen, Einsichten und Lektionen. Gerade das wollen wir zeigen, die menschliche Seite beim Reisen, nicht die hochstilisierten Info-Reportagen und perfekten Szenen.

„Unsere Mission ist es zu reisen, ohne groß zu planen, zu gehen, ohne zu warten, zu leben, ohne zu bereuen.“

Strelka: Mit der unkonventionellen Sprache, die wir bewusst gewählt haben, stehen wir unseren Lesern auch viel näher als etablierte Medien. Wir sind ein Kollektiv, das von Ausgabe zu Ausgabe wechselt und das Fernweh zum Leser nach Hause bringt.

Wie seit ihr auf die (verrückte?) Idee gekommen, in unser Welt in der alles immer mehr digitalisiert wird, ein Printmagazin zu gründen?

Belka: Die Idee war für uns gar nicht so verrückt. Zusammen haben wir mit dem Online-Magazin FernwehO Mag das Publizieren begonnen, damals noch in digitaler Form und haben eine solide Fan-Basis aufgebaut. Die Leser haben uns regelrecht wöchtentlich aufgefordert, endlich in den Druck zu gehen, bis wir es schließlich wagten.

Belka Berlin Edtor Pic GroßneuStrelka: Print funktioniert heute für die großen Verlage schlechter, weil viele Leser online sind und sie an der Verbindung zum Leser online scheitern – sie müssen mit ihm auf einmal in echt kommunizieren. Wir haben schon vorher kommuniziert und unsere digitalen Leser sagten: DRUCKT ENDLICH!

Was bedeutet Fernweh für euch und wie geht man am besten damit um?

Strelka: Fernweh ist für uns ein Gefühl, das dauerhaft vorherrscht, ein Normalzustand quasi. Wobei wir natürlich überdurchschnittlich oft unterwegs sind und ab und an schon die nächste Reise planen, wenn wir noch in einem fremden Land sind. Wir geben dem Fernweh oft einfach nach.

Belka: In den letzten Jahren und besonders jetzt mit dem Magazin lernen wir aber, dass die bloße Möglichkeit, alles sehen und besuchen zu können, nicht bedeutet, dass man es auch tun muss oder sollte. Ich genieße das Fernweh neuerdings auch gerne mal zu Hause (erst dann ist es ja richtiges Fernweh) und träume von Ländern, schaue Karten an, suche Bücher – ein gutes Gefühl.

Berge oder Meer?

Strelka: Definitiv das Meer, an keinem anderen Ort fühle ich mich so frei.

IMG_2967-3Belka: Ich bin als Kind an den Ausläufern des Tian Shan Gebirges und später an der Küste von Meck-Pomm aufgewachsen. Ich könnte mich zwischen den beiden nie entscheiden.

Welche Orte sind eure ganz persönlichen Sehnsuchtsziele?

Strelka: Ich habe eine zeitlang in Mexico gelebt und kehre seitdem immer wieder zurück. Das Land schmeckt nach Chilli, Limetten und Salz und entspricht einfach meinem Lebensgefühl.

Belka: Ich habe mir viele der Träume in den letzten acht Jahren unterwegs erfüllt. So richtig Sehnsucht löst bei mir eigentlich nur der Afrikanische Kontinent aus – da möchte ich noch viel mehr sehen außer den Safari-Ländern, die ich bereits besuchen konnte. Außerdem rückte meine Heimat Kasachstan dieses Jahr plötzlich auf mein Radar. Das ist unerwartet und derzeit mein aufregendster Tagtraum. 

Welche Personen/Bücher/Blogs/Magazine etc. inspirieren euch zum Reisen bzw. im Leben allgemein?

Strelka: Wir sind Fans von Johannes Klaus und seinem Projekt The Travel Episodes, und verfolgen die Arbeit von anderen Kollegen auf Social Media. Ansonsten lesen wir relativ wenige Reiseblogs oder Reisebücher, das Thema ist einfach zu präsent bei uns – unterwegs und beim Arbeiten. Über Futurismus (The Circle, The Limit) und digitale Themen (Die granulare Gesellschaft, Die analoge Revolution) diskutieren wir dagegen gerne auch mal außerhalb der Arbeitszeiten.

Belka: Privat bewegen uns einfach viele andere Themen: Sozialgesellschaftliche Veränderungen (Zeitmagazin ist schon lange dabei, Kater Demos ist eine großartige junge Zeitschrift in unserem Regal), Frauenpolitik (Edition F), Digitalkultur (WIRED) und alternative Lebens- und Unternehmerwege. Mit unserer Arbeit an der Zeitschrift wurde auch Umweltpolitik zu einem großen Thema (Kathrin Hartmann war z.B. zuletzt oft Redaktionsgesprächsthema – eine wichtige deutsche Autorin)

Welche Rolle spielt Fotografie für euch persönlich (gerade im Bezug aufs Reisen) und warum habt ihr es zu einem so wichtigen Teil von The Fernweh Collective gemacht?

Belka: Strelka war zuvor einige Jahre Fotografin. Ich selbst habe mein Online-Wirken 2013 mit dem Blog Fernwehosophy begonnen, in dem es um Reisefotografie und ein Fotografen-Kollektiv ging.

Strelka: Es war also naheliegend, The Fernweh Collective diesen Fokus zu geben. Das Visuelle spielt bei uns einfach eine große Rolle, wenn auch auf unterschiedliche Weisen.

IMG_1911Wie schätzt ihr den Stellenwert von sozialen Netzwerken ein?

Strelka: Ich stehe dem Ganzen seit Anbeginn recht kritisch gegenüber, zumindest was mich als Privatperson angeht. Auf der anderen Seite wäre unser Projekt nie ohne Social Media möglich gewesen, das war zwar nicht das Fundament, aber der Motor des Ganzen.

„Vor lauter Social Media hat man die eigentliche Arbeit oft vernachlässigt.“

Belka: Ich war früher viel unvoreingenommener, mir fiel es leicht, online und öffentlich zu kommunizieren. Allerdings habe ich das Gefühl, dass es gerade kippt, auch bei vielen meiner ehemaligen Blogger-Kollegen. Vor lauter Social Media hat man die eigentliche Arbeit oft vernachlässigt. Bei mir geht es dieses Jahr mehr um den Kern, um die Vision, um die Arbeit. Erst darauf basierend macht Social Media Sinn.

Wenn ihr nur auf einem sozialen Netzwerk aktiv sein könntet, welches wäre es und warum?

Belka: Für uns funktioniert Instagram, weil wir visuell unterwegs sind – wirklich wachsen kann man auf dem Kanal allerdings als Neuling nicht mehr (zumindest mit fairen Mitteln). Die natürliche Halbwertzeit der sozialen Netzwerke nimmt jetzt rapide ab, es ist wie ein Wettlauf gegen die Zeit.

Strelka: Von Snapchat hört man überall. Wir sind aber recht desillusioniert, die meisten Inhalte auf Snapchat fühlen sich einfach irrelevant an. Und oberflächlich zu bleiben, liegt uns beiden nicht. Die Zeit, die wir darein investieren würden, stecken wir lieber in die Arbeit am Magazin und an neuen Projekten.

Wie geht es mit The Fernweh Collective weiter? Ist die nächste Ausgabe schon in Planung?

Belka: In der nächsten Ausgabe geht es in den Dschungel und wir planen, im Juni 2016 rauszukommen.

Strelka: Wir sind allerdings Riesenfans vom „Wait But Why“-Prinzip: Publiziere erst, wenn du etwas zu sagen hast. Waitbutwhy.com ist ein Blog, auf dem die Macher ihre Artikel erst dann posten, wenn sie mit der Arbeit fertig sind – das kann schon manchmal ein halbes Jahr dauern.

Belka: Faszinierend, wie gut es funktioniert – in dieser Welt, in der man scheinbar täglich etwas posten muss, damit man online nicht vergessen wird. Wir versuchen uns mehr von den Jungs abzugucken, auch wenn wir natürlich wissen, dass unsere Leser gespannt warten. Und darüber sind wir sehr sehr froh.

Danke für das tolle Interview!

Schaut unbedingt mal auf der Website der beiden vorbei und verpasst nicht die nächste Ausgabe!

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